Weben beim Pferd: Ursachen, Risiken, Lösungen & Vorbeugung

Weben beschreibt ein wiederholtes Hin- und Herschwingen von Kopf, Hals und oft auch dem Vorderkörper. Viele Pferde verlagern dabei rhythmisch das Gewicht von einem Vorderbein auf das andere. Manchmal schaukelt sogar der ganze Körper mit. Dieses Verhalten tritt besonders häufig auf, wenn Pferde lange in der Box stehen und zu wenig Auslauf, Sozialkontakt oder Beschäftigung haben.

Ein kurzes Schaukeln kann auch normal sein, zum Beispiel um Fliegen abzuwehren oder sich zu kratzen. Von „Weben“ als Problem spricht man erst, wenn das Verhalten über Minuten bis Stunden immer wieder auftritt und sich als Muster festigt. Fachlich wird Weben als Stereotypie eingeordnet. Stereotypien stehen oft mit suboptimalen Haltungsbedingungen, Frustration und Stress in Verbindung.

Ist Weben gefährlich?

Weben ist vor allem ein Hinweis darauf, dass das Pferd langfristig nicht gut zurechtkommt. Es ist ein mögliches Signal für Stress, Frustration oder fehlende Möglichkeiten, natürliche Bedürfnisse auszuleben. Studien und Fachquellen verknüpfen Stereotypien bei Pferden häufig mit eingeschränkter Bewegung, wenig Sozialkontakt und zu wenig Beschäftigung durch Fressen und Erkunden.

Zusätzlich kann Weben körperliche Folgen haben. Je nach Intensität und Dauer kann es Sehnen, Gelenke und Hufe einseitig belasten. Manche Pferde entwickeln dadurch unausgeglichenen Muskelaufbau oder ungleichmäßigen Hufabrieb. Das ist nicht bei jedem Pferd gleich, aber es ist ein guter Grund, das Thema ernst zu nehmen.

Ursachen: Warum webt ein Pferd?

Die Ursache ist meist nicht „medizinisch“ im Sinne einer einzelnen Krankheit. Weben entsteht häufig, wenn wichtige Bedürfnisse dauerhaft eingeschränkt werden. Dabei reagieren Pferde unterschiedlich. Manche laufen in der Box („Boxenwandern“), andere weben, wieder andere entwickeln weitere Stereotypien.

  • Zu viel Boxenzeit: wenig Bewegung, wenig Reize, wenig Abwechslung
  • Zu wenig Sozialkontakt: Pferde sind Herdentiere, Isolation stresst
  • Zu wenig Raufutter/Kaudauer: lange Fresspausen erhöhen Frust und Leerlauf
  • Stress: Stallwechsel, Futterzeiten, Unruhe im Stall, Trennung von Herdenpartnern
  • Stallgestaltung: eingeschränkte Sicht, wenig „Horizont“, ungünstige Boxenlage

Fachliteratur beschreibt Zusammenhänge zwischen Stereotypien und Managementfaktoren wie Fütterung/Forage, Stallgestaltung und sozialen Bedingungen.

Was hilft wirklich gegen Weben?

Das Ziel ist nicht „Wegtrainieren“ durch Strafe oder Blockieren. Das kann Stress erhöhen und das Problem verschlimmern. Sinnvoll ist, die Ursachen zu reduzieren. Es geht um drei Grundbedürfnisse: mehr Bewegung, mehr Sozialkontakt, mehr Beschäftigung durch Fressen. Diese drei Punkte werden in der aktuellen Welfare-Literatur immer wieder als zentral betont.

1) Boxenzeit reduzieren, Bewegung erhöhen

Je mehr Zeit ein Pferd in der Box verbringt, desto höher ist das Risiko für Langeweile und Frust. Mehr Weide oder Paddockzeit ist eine der wirksamsten Maßnahmen. Ideal ist täglicher, möglichst langer Auslauf. Auch ein größerer Laufstall oder ein Paddock-Trail kann helfen, weil Bewegung und Umweltreize zunehmen.

2) Sozialkontakt ermöglichen

Pferde brauchen andere Pferde. Sicht- und Schnupperkontakt ist besser als Isolation, aber echter Kontakt ist oft noch hilfreicher. Wenn möglich, ist Gruppenhaltung oder gemeinsamer Auslauf mit einem passenden Partner ideal. Auch in der Box helfen offene Gitter oder niedrigere Trennwände, wenn es sicher ist.

3) Raufuttermanagement optimieren

Fressen ist Beschäftigung. Lange Fresspausen sind ein Risikofaktor. Sorge für ausreichend Raufutter über den Tag verteilt. Heunetze mit kleinerer Maschenweite können die Fresszeit verlängern. In der Fachliteratur werden Fütterung und Forage-Menge als wichtige Einflussfaktoren auf stereotypes Verhalten beschrieben.

4) Stallumgebung und „visuelle Horizonte“ verbessern

Viele Weber reagieren auf Reize wie Futterzeiten, Pferdeverkehr oder Stress im Stall. Mehr Sicht nach draußen, mehr „Horizont“ und eine ruhigere Umgebung können helfen. Auch Umweltanreicherung wie Spiegel oder gezielte Beschäftigung kann bei manchen Pferden das Verhalten reduzieren.

5) Trigger erkennen

Manche Pferde weben besonders vor dem Füttern, bei Trennung von Partnern oder bei wenig Auslauf. Notiere, wann es passiert. Oft findest du ein Muster. Wenn du das Muster kennst, kannst du gezielt ändern: Heu vor Kraftfutter, mehr Raufutter in kritischen Phasen, mehr Auslauf an Tagen mit Boxenzeit.

Was du vermeiden solltest

  • Strafen oder Anschreien: erhöht Stress und Frust
  • Mechanisch blockieren (ohne Ursachen zu ändern): kann Frustration verstärken
  • Nur „mehr Training“ statt besseres Management: Weben entsteht oft in Ruhephasen, nicht im Training

Wann sollte ein Tierarzt oder Verhaltensexperte draufschauen?

Wenn das Weben plötzlich neu auftritt, sehr stark wird oder das Pferd zusätzlich abnimmt, apathisch wirkt oder andere Auffälligkeiten zeigt, ist eine Abklärung sinnvoll. Manchmal liegen Schmerzen, Magenprobleme oder Stressoren vor, die man gezielt behandeln muss. Außerdem lohnt sich ein Blick auf das gesamte Haltungssystem.


FAQ: Häufige Fragen zu Weben

Ist Weben eine Krankheit?

Weben ist in der Regel keine einzelne Krankheit. Es ist ein stereotypes Verhalten, das oft als Bewältigungsstrategie bei Stress, Frust oder eingeschränkter Haltung entsteht.

Kann man Weben „abgewöhnen“?

Man kann es oft reduzieren, wenn die Ursachen verbessert werden. Das gelingt am besten über mehr Auslauf, mehr Sozialkontakt und besseres Raufuttermanagement. Reines Blockieren ohne Haltungsänderung bringt oft wenig.

Hilft mehr Weide wirklich?

Ja, häufig. Mehr freie Bewegung, Umweltreize und soziale Interaktion sind zentrale Bausteine in der Vorbeugung und im Management von Stereotypien.

Ist ein Spiegel in der Box sinnvoll?

Bei manchen Pferden kann ein Spiegel oder eine „soziale“ visuelle Lösung die Situation verbessern. Das ist keine Garantie, aber es wird als mögliche Enrichment-Maßnahme beschrieben.

Kann Weben körperliche Schäden verursachen?

Bei starkem, langem Weben kann es zu einseitiger Belastung von Hufen, Gelenken und Sehnen kommen. Deshalb lohnt es sich, früh zu reagieren und die Haltungsbedingungen zu verbessern.

Sandra Fischer
Letzte Artikel von Sandra Fischer (Alle anzeigen)

    Teilen Sie diesen Beitrag

    Secured By miniOrange