Eine passende Fütterung ist eine der wichtigsten Grundlagen für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Viele Probleme entstehen nicht „plötzlich“, sondern entwickeln sich schleichend – durch zu wenig Raufutter, zu viel Stärke/Zucker, unpassende Futterwechsel oder Managementfehler (z. B. Wasser, Salz, Weideführung).
Wichtig: Diese Seite ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei akuten Beschwerden (Kolikverdacht, starkes Schwitzen, Apathie, Lahmheit, Fieber) gilt: Tierarzt kontaktieren.
Inhaltsverzeichnis
- 1) Grundprinzip: Raufutter zuerst
- 2) Faustregeln: Mengen & Verteilung
- 3) Wasser & Salz: unterschätzt, aber entscheidend
- 4) Kraftfutter: wann sinnvoll – und wie viel pro Mahlzeit?
- 5) Weide & Zucker: worauf empfindliche Pferde achten sollten
- 6) Futterumstellung richtig machen
- 7) Checkliste für den Alltag
- FAQ
1) Grundprinzip: Raufutter zuerst
Das Pferd ist auf eine kontinuierliche Aufnahme von faserreichem Futter ausgelegt. Raufutter (Heu, Heulage, Gras) stabilisiert die Darmfunktion, unterstützt eine gleichmäßige Fermentation im Dickdarm und reduziert das Risiko fütterungsbedingter Probleme.
Praxisregel: In der Fütterung sollte Raufutter die Basis bilden; Kraftfutter ist (wenn überhaupt) eine Ergänzung – abhängig von Arbeit, Kondition, Alter und Gesundheitsstatus.
2) Faustregeln: Mengen & Verteilung
Wie viel Raufutter pro Tag?
Als grobe Orientierung wird häufig empfohlen, dass Pferde täglich etwa 1,5–2,0 % ihres Körpergewichts als Raufutter (Trockensubstanz) aufnehmen sollten. Das entspricht bei 500 kg Körpergewicht häufig grob 7,5–10 kg Heu (TM-orientiert) – je nach Heuqualität und Feuchtegehalt.
Warum das wichtig ist: Zu wenig Raufutter begünstigt u. a. Verdauungsstörungen, Stressverhalten und kann (je nach Konstellation) die Anfälligkeit für Koliken erhöhen.
3) Wasser & Salz: unterschätzt, aber entscheidend
Wasser
Ausreichend Wasser ist für Verdauung, Thermoregulation und Kreislauf essenziell. Je nach Temperatur, Fütterung (Heu vs. Gras) und Arbeit kann der Wasserbedarf deutlich schwanken. Als grobe Größenordnung werden für adulte Pferde häufig mehrere Dutzend Liter pro Tag genannt.
- Praxis-Tipp: Tränken täglich kontrollieren (Durchfluss, Sauberkeit, Frostschutz).
- Warnsignal: Weniger Wasseraufnahme + wenig Kot + Bauchschmerzverdacht → Kolikrisiko steigt.
Salz (Natrium/Chlorid)
Salz ist kein „Nice-to-have“. Natrium und Chlorid sind zentrale Elektrolyte. Viele Rationen (Heu/Gras) liefern nicht automatisch genug Natrium. Üblich ist daher: Salzleckstein und/oder gezielte Salzgabe (insbesondere bei Arbeit/Schwitzen).
4) Kraftfutter: wann sinnvoll – und wie viel pro Mahlzeit?
Kraftfutter (z. B. Hafer, Müsli, Pellets) kann bei höherem Energiebedarf sinnvoll sein – muss aber magen- und darmfreundlich eingesetzt werden. Große, stärke-reiche Mahlzeiten gelten als ungünstig.
- Faustregel: Kraftfutter lieber kleiner portionieren und über den Tag verteilen (statt „eine große Schüssel“).
- Merksatz: Erst Raufutter, dann Kraftfutter.
- Wenn du unsicher bist: Körperzustand (BCS), Arbeitsniveau und Heuqualität prüfen – dann gezielt ergänzen.
5) Weide & Zucker: worauf empfindliche Pferde achten sollten
Weidegras ist hochwertig – aber nicht „immer gleich“. Zucker/Fruktan-Gehalte schwanken u. a. mit Wachstum, Temperatur, Sonnenstunden und Stress der Pflanze. Für Pferde mit Stoffwechselproblemen oder Risiko-Konstellationen (z. B. Übergewicht, bekannte Rehe-Vorgeschichte) ist Weidemanagement ein zentraler Hebel.
- Praktisch: Weidezeiten langsam aufbauen (Anweiden), besonders im Frühjahr.
- Bei Risikopferden: Heuanalyse/Weidemanagement und ggf. Maulkorb-/Zeitfenster-Strategien mit Fachleuten abstimmen.
Mehr zum Krankheitsbezug findest du hier:
6) Futterumstellung richtig machen
Ein häufiger Auslöser für Verdauungsprobleme ist eine zu schnelle Umstellung. Die Darmflora braucht Zeit, um sich anzupassen. Daher gilt in der Praxis: Änderungen schrittweise durchführen.
- Heu/Heulage-Wechsel: über mehrere Tage mischen und Anteil langsam erhöhen.
- Kraftfutter neu: sehr klein starten, dann langsam steigern.
- Weidebeginn: langsam anweiden (nicht „von 0 auf 6 Stunden“).
Wenn du Koliksymptome besser einordnen willst: Kolik beim Pferd.
7) Checkliste für den Alltag
- Raufutter: ausreichend Menge, gleichmäßige Verteilung, keine langen Fresspausen
- Wasser: Tränken funktionieren, sauber, im Winter frostfrei
- Salz/Mineralien: Salzquelle vorhanden, Mineralfutter passend zur Ration
- Körperzustand: Gewicht/BCS regelmäßig prüfen (Über- und Untergewicht früh erkennen)
- Futterwechsel: langsam umstellen
- Risikopferde: Weidemanagement bewusst steuern (v. a. bei Rehe/EMS/PPID)
FAQ
Reicht Heu als Alleinfutter?
Für viele Freizeitpferde kann eine heubasierte Ration funktionieren – wenn Heuqualität passt und Mineralstoffe gezielt ergänzt werden. Ob zusätzlich Energie/Protein nötig ist, hängt von Pferd, Arbeit und Heuanalyse ab.
Woran erkenne ich Fütterungsfehler früh?
Typische Warnzeichen sind u. a. Leistungsabfall, stumpfes Fell, wiederkehrende Verdauungsprobleme, auffälliges Verhalten rund ums Fressen, starke Gewichtsschwankungen oder empfindliche Hufe. Auch „kleine“ Veränderungen können Hinweise sein.
Welche Themen passen als nächste Ratgeberseiten?
- Parasitenmanagement (Kotprobe, Entwurmungsstrategie, Resistenzvermeidung)
- Fütterung bei PPID/EMS (Zucker/Stärke, Heuanalyse, Gewichtsmanagement)
- Fütterung & Kolikprävention (Wasser, Fresspausen, Umstellungen)
Weiterführend
Wenn du tiefer einsteigen willst: Auf der Seite Buchempfehlungen findest du ausgewählte Titel zu Pferdegesundheit, Naturheilkunde und Pflege.
Passend zu häufigen Problemfeldern:
- Hufrehe (Laminitis)
- PPID (Equines Cushing-Syndrom)
- Kolik beim Pferd
- Sommerekzem
- Weben (Verhaltensstörung)